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04.04.2014, Stuttgart
Kongress Selbständige Schule

Mehr Eigenverantwortung und Selbstständigkeit für Schulen, um den gewachsenen Anforderungen an differenzierter Wissensvermittlung und individueller Förderung der Schüler gerecht zu werden: Dies ist das Konzept des umfangreichen Leitfadens „Selbstständige Schule“, den die Arbeitgeber Baden-Württemberg entwickelt und am Freitag auf dem gleichnamigen Kongress in Stuttgart vorgestellt haben. 

„Unser Bildungssystem befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Dieser ist mit den Organisationskonzepten des 19. Jahrhunderts nicht zu bewältigen“, sagte Professor Dr. Dieter Hundt, Präsident der Arbeitgeber Baden-Württemberg, auf dem Kongress: „Die Zeit ist reif für selbstständige Schulen, sonst bleiben alle Reformen Stückwerk.“

Von Schulen und Lehrkräften  werde heute im Zuge zahlreicher Reformen viel verlangt. „Dabei wird die Bedeutung moderner Organisationsstrukturen und Steuerungsinstrumente aus meiner Sicht völlig unterschätzt“, sagte Hundt. Diese müssten sich an den Prinzipien Subsidiarität, Leistung, Wettbewerb, Profilbildung und Qualität orientieren: „Es geht dabei keineswegs um die Ökonomisierung von Bildung, sondern darum, den Schülerinnen und Schülern bestmöglich die erforderlichen Kompetenzen und Qualifikationen für ihren weiteren Lebensweg zu vermitteln.“

Dieser Wettbewerb um die besten pädagogischen Konzepte funktioniere aber nur, wenn die Handlungs- und Entscheidungskompetenz bei den Akteuren in der Schule liege, mahnte Hundt: „Unser Schulsystem ist durch eine umfassende Verstaatlichung geprägt, die sich in einer Überregulierung pädagogischer und didaktischer Tätigkeiten äußert.“ Die übertriebene Bildungsadministration müsse aufgebrochen werden. Das Grundgesetz verlange keineswegs ein staatliches Schulwesen, sondern lediglich ein Schulwesen unter staatlicher Aufsicht. Zu dieser Aufsicht gehöre folgerichtig auch das eigenständige Handeln der Beaufsichtigten. „Viele positive Beispiele von Schulen, die diese praktische Verantwortung schon übernommen haben, zeigen, dass dies funktioniert. Da aber die formale Verantwortlichkeit fehlt, bewegen sich diese Schulen in einer Grauzone“, sagte Hundt.

Konkret fordern die Arbeitgeber Baden-Württemberg für die Schulen folgende Kompetenzen: eigenständige Profilbildung und Schwerpunktsetzung, selbstständiges Abschließen von Verträgen und Rechtsgeschäften, Aufbau unterstützender Schulbeiräte, Personalauswahl und -entwicklung durch die Schulleitung, Verwaltung eines eigenen Finanzbudgets sowie Verankerung von Prozessen und Instrumenten des Qualitätsmanagements in den Schulen. Im Gegenzug sollten die Aufgaben des Staates auf die Festlegung übergreifender Bildungsziele und -standards sowie auf Vorgabe eines allgemeinen Orientierungs- und Leistungsrahmens konzentriert werden. Kultusministerium, Schulaufsicht und den Schulträgern müssten sich primär als Dienstleister begreifen, sagte Hundt: „Sie müssen die Entwicklung der einzelnen Schulen unterstützen und dabei deren Selbstständigkeit und Leistungsfähigkeit sicherstellen.“

Der neue Leitfaden umfasst Informationen, Materialien und Handlungshilfen zum Konzept „Selbstständige Schule“. Diesen wollen die Arbeitgeber Baden-Württembergüber das Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT allen interessierten Schulen im Land kostenfrei zur Verfügung stellen und diese auch bei den erforderlichen Schulungen unterstützen. „Es freut mich sehr, dass Kultusminister Stoch seine Unterstützung bei der Verbreitung unseres Projekts und unseres Leitfadens zugesagt hat“, sagte Hundt: „Pädagogische Selbstständigkeit ist ohne eine organisatorische Selbstständigkeit nicht denkbar. Ich bin froh, dass wir heute den nächsten Schritt dazu machen.“

Prof. Dieter Hundt bei seiner Ansprache

Prof. Dieter Hundt im Gespräch mit Johannes Krumme, Geschäftsführer SCHULEWIRTSCHAFT

Stefan Küpper, Geschäftsführer Politik, Bildung und Arbeitsmarkt

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