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11.11.2014, Leipzig
Perspektiven des deutschen Bildungsexports

Am 11. November 2014 fand die 2. Fachtagung des BRIDGE-Verbundprojektes zum Thema „Beruf und Bildung in Tunesien“ an der HHL Leipzig Graduate School of Management statt. Nach zwei Jahren vielseitiger Aktivitäten gab die Tagung Anlass zur Präsentation der bisherigen Ergebnisse und bot damit die Gelegenheit zum Austausch von Erfahrungen zwischen Wissenschaft und Praxis aus dem Bereich des Bildungsexports. 

Nach einem einführenden Überblick über den bisherigen Verlauf des BRIDGE-Projektes von Herrn Prof. Dr. Reichwald stellte Marc Marheineke (CLIC) unter dem Titel „Bildung per Remote Service“ den im Rahmen des Projektes entwickelten und erfolgreich in der Zusammenarbeit mit Tunesien eingesetzten BRIDGE-Learner, eine online Plattform für interaktives, gemeinschaftliches und problemlösungsorientiertes Lernen, vor. 

Auf den konkreten Nutzen IT-gestützter Lernangebote ging im anschließenden Vortrag Stefan Melchert von der Universität Leipzig (wissenschaftlicher Partner im BRIDGE-Projekt) ein. Anschaulich und prägnant verglich er die zwei in Tunesien durchgeführte Schulungen – eine davon ohne, die andere mit Unterstützung des BRIDGE-Learners. So ergeben sich etwa Möglichkeiten der Kosteneinsparung, wenn die Anwesenheit der Trainerinnen und Trainer vor Ort reduziert wird und stattdessen mit einer online Plattform gearbeitet wird.

Spannend blieb die Frage nach der „kulturellen Robustheit“ des BRIDGE-Learners: Während die Technik international einsetzbar sei, müsse der Inhalt an kulturelle Gegebenheiten stets angepasst werden. Diese Thematik bildete einen weiteren inhaltlichen Kern nachfolgender Diskussionen. Auf den Aspekt sprachlicher und kultureller Übersetzung ging auch Susanne Dieing (Projektpartner Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft e.V.) in ihrem Vortrag über Modelle internationaler Bildungsdienste ein. Bildungsexport dürfe sich nicht auf das Erbringen einer Dienstleistung reduzieren, von großer Bedeutung sei eine individuelle Bedarfsanalyse vor Ort. Denn, so resümierte Frau Dieing prägnant: „Wir sehen die Welt nicht wie sie ist, sondern wie wir sind“.

Weitere Erfahrungsberichte aus anderen Best Practice Projekten veranschaulichten die Chancen und auch die Hürden des Bildungsexportes. So berichtete Frau Dr. Seise (Seise Consulting) aus dem Bereich des Sonderfahrzeugbaus in Russland und verwies ebenfalls auf die Herausforderung des Wissenstransfers über Sprachunterschiede und Mentalitätsgrenzen hinweg. Der Einsatz eines BRIDGE-Learners könne hier, sprachlich angepasst und weiterentwickelt, hilfreich sein. Ähnliches wusste auch der aus Marburg angereiste Herr Prof. Dr. Stephan (Universität Marburg) aus seinem Projekt zu berufsqualifizierender Hochschulbildung in Ägypten zu berichten. Nach den Umbrüchen im Rahmen des arabischen Frühlings sowie drei verschiedenen Regierungen fiel seine Bilanz und Zukunftsprognose für den Bildungsexport nach Ägypten und weitere arabische Länder dennoch positiv aus. Denn bisher konnten sowohl das von der Projektgruppe entwickelte Gründungsförderungsmodell inklusive Entrepreneurship-Kursen an der Partneruniversität Kairo als auch eine studentische Unternehmensberatung erfolgreich und vielversprechend implementiert werden.

Einen konkreten Blick in die „Zukunft des Lernens“ wagte Herr Prof. Sauter (Blended Solutions GmbH). Seine „10 Gebote“ des künftigen Lernens, Präsenzveranstaltungen und E-Learning kombinierend, legten den Schwerpunkt auf Kompetenzentwicklung und die Relevanz von Erfahrungen in der Praxis. Bildung und Wissen, so appellierte Herr Prof. Sauter eindringlich, könne nicht vermittelt sondern müsse persönlich erfahren werden. An Stelle eines fremden, von außen gesteuerten Lehrens und Lernens gehe es in Zukunft um individualisiertes „Work Place Learning“. 

Die Herausforderungen für die Weiterentwicklung und Verbreitung des durch e-Learning gestützten Bildungsexports sind die kulturelle Anpassungsfähigkeit für Lehr- und Lernende sowie die grenzüberschreitende Verwertbarkeit. Erfolgsfaktoren für die Umsetzung von Face-to-face Seminaren ist der Einsatz von Trainerinnen und Trainern, welche international erfahren und interkulturell geschult sind. Idealerweise sind diese mit der Kultur des Ziellandes vertraut.  

Text: Marc Marheineke, HHL; Susanne Dieing, BBQ

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