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02.12.2014, Berlin
„Inklusion ist schön, macht aber viel Arbeit“ - Parlamentarischer Abend Inklusion

Am 2. Dezember 2014 veranstaltete das Projekt Wirtschaft inklusiv in Berlin in der Landesvertretung der Stadt Hamburg den Parlamentarischen Abend Inklusion unter der Überschrift: Wir brauchen alle! Annähernd 100 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Fachöffentlichkeit wohnten einem Abend bei, der das Thema Inklusion auf besondere Art präsentierte und die Gäste mitnahm auf eine Reise von Immanuel Kant über autistische IT-Spezialisten bis in die Praxis einer venezuelanischen Zahnärztin.

Dörte Maack, selbst blind, begleitete zusammen mit Führhund Lila die Gäste durch einen informativen, anregenden und auch unterhaltsamen Abend. „Wie Sie sehen bin ich blind“, begrüßte sie die Gäste, „das hat Nachteile, aber auch Vorteile: ich kann nicht sehen, wenn Sie mich anlächeln, ich kann aber auch nicht sehen, wenn Sie die Augen verdrehen“.

Damit waren die Gäste, unter denen sich Parlamentarier aller im Bundestag vertretenen Fraktionen befanden, mitten im Thema. Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, griff den Faden auf und erläuterte, dass Menschen durch die Kompensation gesundheitlicher Einschränkungen häufig besondere Fähigkeiten entwickelten. So verfügen viele blinde und sehbehinderte Menschen über eine professionalisierte Fragetechnik, die im beruflichen Kontexten oft von besonderem Nutzen ist und einen deutlichen Vorteil bietet. Die Beratung, Sensibilisierung und Unterstützung von Betrieben und Unternehmen, wie sie vom Projekt Wirtschaft inklusiv geleistet wird, sei für sie ein wesentlicher Baustein der Inklusion im ersten Arbeitsmarkt.

Richard Nürnberger, Vorsitzender des Vorstandes der Bundesarbeitsgemeinschaft ambulante berufliche Rehabilitation (BAG abR) e.V., der Trägerin des Projektes Wirtschaft inklusiv, verwies auf das dichte, bundesweite Dienstleistungsnetz der BAG abR, die ein solches Projekt erst ermögliche. „Inklusive Arbeit braucht die Betriebe“, betonte er, „der Betrieb ist der erste Ort der Inklusion, wenn es um das Aufgabenfeld Arbeit geht.“

Richard Fischels (Bundesministerium für Arbeit und Soziales) gab mit seinem engagierten Grußwort der Hoffnung Ausdruck , dass sich das betriebsnahe, arbeitgeberorientierte Projekt Wirtschaft inklusiv als die passende Unterstützung für die Betriebe erweist, die noch nicht ausreichend Menschen mit einer Schwerbehinderung beschäftigen. Bestätige sich der Erfolg, sei auch eine Fortsetzung unter gleichem Konzept vorstellbar.

Diesem Gedanken schloss sich die Leiterin des Bereichs Arbeitsmarktpolitik bei der BDA, Christina Ramb, an. Die BDA sei froh, ein Projekt wie Wirtschaft inklusiv mit auf den Weg gebracht zu haben: „Arbeitgeber brauchen für mehr Inklusion wirtschaftsnahe Ansprechpartner, wie sie Wirtschaft inklusiv mit seinen Beratern und Inklusionslotsen bietet“. 

Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl, Professor für theologische Ethik, erläuterte dann in einem fesselnden und „Grund legenden“ Vortrag die menschenrechtliche Dimension der Inklusion. Wohl kaum jemand von den Besuchern hatte damit gerechnet, dass es einem katholischen Ethiker auf so unterhaltsame und verständliche Weise gelänge, einen schlüssigen Bogen zu schlagen von Immanuel Kant zu den autistischen IT-Profis von SAP.

Doch der Höhepunkt des Abends war das leidenschaftliche, begeisternde und ansteckende Plädoyer der Zahnärztin Marianela von Schuler Alarcón für Inklusion. Im Gespräch mit Dörte Maack berichtete sie davon, wie sie selbst zunächst Gebärdensprache erlernt hätte, um gehörlose Menschen behandeln zu können. Dies war aber nur der Beginn des Aufbaus einer inklusiven zahnmedizinischen Versorgung für gehörlose Menschen: heute bildet sie mehrere gehörlose Auszubildende aus, hat andere Praxen dafür gewonnen, die jetzt auch ausbilden und auch gehörlose Patienten behandeln, die oft mehrere hundert Kilometer Anfahrt in Kauf nehmen, sie hat gemeinsam mit der Berufsschule die Teilnahme am regulären Berufsschulunterricht ermöglicht, hat die Zahnärztekammer für textoptimierte Prüfungsunterlagen gewonnen und plant jetzt noch, Gebärdensprachunterricht für die Ausbildung von Zahnmedizinern anzustoßen, damit mehr Zahnärzte gehörlose Menschen behandeln können. Quasi „nebenbei“ hat sie ein Videoclip-Lexikon von neuen Gebärden für zahnmedizinische Fachbegriffe aufgebaut.

Mit ihrer Begeisterungsfähigkeit und ihrem profunden Verständnis für lebendige, gelebte Inklusion sorgte sie dafür, dass dieser Parlamentarische Abend wirklich neue Anregungen lieferte und für viel Gesprächsstoff beim anschließenden get-together sorgte. „Das war endlich mal was Anderes“, kommentierten viele Gäste die Veranstaltung.

Passend dazu das Resümee, mit dem der Projektleiter von Wirtschaft inklusiv Manfred Otto-Albrecht, frei nach Karl Valentin, die Erfahrungen der ersten Projektmonate auf den Punkt brachte: „Inklusion ist schön, macht aber viel Arbeit“.

Kontakt:
Manfred Otto-Albrecht
manfred.otto-albrecht@faw.de
www.wirtschaft-inklusiv.de, www.bagabr.de

Das Projekt Wirtschaft inklusiv berät Wirtschaftsunternehmen zur Inklusion und  wird durchgeführt von der BAG abR (Bundesarbeitsgemeinschaft ambulante berufliche Rehabilitation) e.V., einem Zusammenschluss wirtschaftsnaher Bildungsdienstleister. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) unterstützt das Projekt, das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gefördert wird. Das Projekt endet am 30.4.2017.

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