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Pressemitteilungen

29.11.2018, Steinheim
27. Forum Bundeswehr-Wirtschaft

Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Bundeswehr und Gesellschaft waren am 29. November 2018 zum Dialog über „Digitale Zukunft - neues Denken, neues Handeln, neues Führen“ nach Steinheim an der Murr gekommen. Auf dem 27. Forum Bundeswehr-Wirtschaft diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Folgen, Führung und Fachkräfte in der digitalen Transformation.

Die Vortragenden beleuchteten intensiv, wie sich Führung durch die Digitalisierung verändert und welche Herausforderung auf dem Arbeitsmarkt ergeben. Höhepunkt des Forums war das Kamingespräch mit General Eberhard Zorn, Generalinspekteur und ranghöchster Soldat der Bundeswehr.

Im Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft konnten der Geschäftsführer des Bildungswerks, Stefan Küpper, und der Präsident des Bildungszentrums der Bundeswehr (BiZBw), Christoph Reifferscheid, fast 100 Teilnehmer begrüßen, die dort eine neue, topmoderne Infrastruktur vorgefunden hatten. Auch Thomas Winterhalter ließ es sich als Bürgermeister von Steinheim nicht nehmen, die Gäste des Forums im Haus Steinheim herzlich willkommen zu heißen.

Digitalisierung braucht Regeln
Professor Christoph Lütge - Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsethik an der Technischen Universität München - stellte als erster Vortragender dar, wie die Digitalisierung unsere Gesellschaft verändert. Stichworte wie Big Data, Block Chain, Drohnentechnologie, Pflegeroboter, Internet of Things und Smart Grids zeigen die neue Qualität der Digitalisierung mit technischen, ökonomischen und politischen Auswirkungen. Deshalb, so Lütge, brauche es auch Richtlinien einer neuen Qualität, mit formellen, insbesondere aber auch informellen Regeln für diese neuen Technologien, die bis auf die europäische Ebene reichen müssten. Lütge – Mitglied der Ethik-Kommission zum automatisierten und vernetzten Fahren – informierte über die hohe Skepsis bei deutschen Autofahrern bei diesem Thema, die insbesondere mit der Angst vor Unfällen begründet sei. Es bedürfe daher einer realistischen Wirtschaftsethik mit Regeln, die von Unternehmen anerkannt werden sowie einer intelligenten Rahmenordnung, so Lütge in seiner Zusammenfassung, um die riesigen Potentiale der Digitalisierung positiv nutzen zu können.

Anforderungen an Fachkräfte
Jürgen Winterholler, Chief Digital Officer bei Rolls Royce Power Systems AG, reflektierte in seinem Vortrag „Aus dem Tagebuch eines CDO“ mit aktuellem Praxisbezug, da es ihm im letzten Jahr gelungen ist, innerhalb von zwei Monaten das personelle Fundament für ein 25-köpfiges Team zu legen mit dem Auftrag die digitale Transformation im Traditionsunternehmen voranzutreiben. Sein Auftrag ist es, Prozesse zu erfassen und digitale Produkte und Services zu entwickeln, sogenannte MVPs (Minimal Valuable Product), die innerhalb von vier Monaten einsatzbereit sind und einen unmittelbaren Kundennutzen haben. Agiles Arbeiten, flache Hierarchien, Mitspracherechte, kollaborative Flächen und Arbeitsplätze sowie eine gesunde Fehlerkultur, ähnlich wie in einem Start-Up, seien dabei grundlegend für den Arbeitserfolg und gehörten zum Selbstverständnis seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus aktuell zwölf Nationen, so Winterholler. In interdisziplinären Projekten stehe dabei die Zufriedenheit der Kunden im Vordergrund aller Anstrengungen. So konnte auch ein reaktiver Kundenservice für Züge ins Leben gerufen werden, der verdichtete Datenmengen verarbeitet, um Voraussagen zu möglichen Ausfällen von Bauteilen zu treffen.
 
Herausforderungen für den jüngsten Organisationsbereich der Bundeswehr
Ob bei der Bürokommunikation, bei Waffensystemen, in der Gesundheitsversorgung, im Personalmanagement oder in der Logistik, beispielsweise bei der Bevorratung von 1,5 Millionen Ersatzteilen - die Bundeswehr wolle vom Fortschritt der Digitalisierung profitieren, so Generalmajor Michael Vetter, der seit Aufstellung des Organisationsbereichs Cyber- und Informationsraum im Bonner Kommando als Chef des Stabes eingesetzt ist. Die Tatsache, dass die Angriffe auf elektronische Komponenten, die heute nahezu überall verbaut sind, immer komplexer werden und der Aufwand einen solchen Angriff zu starten für Kenner der Szene immer einfacher werde, mache es erforderlich, unterschiedliche Fähigkeiten, wie beispielsweise die klassische Informationsverarbeitung in einem neuen Organisationsbereich zusammenzufassen. Aufklärung und Wirkung seien nun in einer Hand - so stelle sich der neue Organisationsbereich Cyber- und Informationsraum den militärischen Herausforderungen und trage zur gesamtstaatlichen Sicherheit bei, erläuterte Generalmajor Vetter.
 
Gute Führung in der digitalen Transformation
Professor Burkhard Schwenker, Chairman of the Advisory Council bei der Roland Berger GmbH in Hamburg, analysierte in seinen Ausführungen, dass mit der fortschreitenden Digitalisierung ein neuer Zustand der Ungewissheit verbunden sei, der nach seiner Theorie neue Strategien notwendig mache. Wie aber könne die Entwicklung von guten Zukunftsbildern gelingen, so die Fragestellung Schwenkers, wenn wir nicht wissen wo es hingeht. Schwenker stellte fest, dass Strategie, so wie sie heute stattfindet, routiniert, handlungsorientiert, auf Zahlen basierend und “mainstream“ sei. Zeiten der Ungewissheit verlangten aber nach einer Strategie, die Orientierung gibt.

Das operative Tagesgeschäft in Unternehmen müsse deshalb stärker delegiert werden, damit die Führung sich intensiver auf die Erarbeitung von Zukunftsbildern konzentrieren könne, dies sei gemeinsame Aufgabe von Vorstand und Aufsichtsrat. Schwenker belegte seine These durch eine Umfrage bei Führungskräften in der Wirtschaft, wonach Führung durch Ungewissheit, schnelle Richtungswechsel und Digitalisierung schwieriger geworden sei. Führung verlange daher nach Persönlichkeiten, die für ihre Überzeugungen stehen, die die anvertrauten Menschen mitnehme und ihnen so Sicherheit gebe, so Schwenker.

Digitalisierung ist Kommunikation
Dr. Jürgen Geisler, stellvertretender Institutsleiter vom Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung, zeigte mit einem historischen Rückblick eine weitere Dimension der Digitalisierung auf. Von den Rauchzeichen der Indianer über den Morsecode bis hin zur heute mächtigsten Computersprache Unicode in der digitalen Welt, stellte Geisler letztlich analoge und digitale Wege der Kommunikation dar. In einer abschließenden Videosequenz zeigte er einen Chor, dessen Solisten aus unterschiedlichen Staaten der ganzen Welt zugeschaltet waren und zeitgleich ein klassisches Musikstück gesungen haben. Ein Beispiel, dass Digitalisierung durchaus auch eine emotionale und verbindende Komponente beinhalten kann.
 
Generalinspekteur informiert über sicherheitspolitische Herausforderungen und Streitkräfte
Der informative Tag endete mit dem traditionellen Kamingespräch. General Eberhard Zorn erläuterte die Zusammenhänge nationaler Bedrohungsszenarien und gab einen Überblick zur allgemeinen Lage der Bundeswehr, von Großprojekten der Rüstung bis hin zur Trendwende Personal. General Zorn machte deutlich, dass das Führen durch Vorbild und die Wertschätzung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, ob militärisch oder zivil, von herausragender Bedeutung sei.



Das nächste, 28. Forum Bundeswehr-Wirtschaft findet am 07.11.2019 zum Thema „Europa“ statt. Merken Sie sich diesen Termin jetzt schon vor!

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