Firmen zusammenbringen, um passende Mitarbeiter zu transferieren: Das ist das Ziel der Arbeitsmarktdrehscheibe

  Ludwigsburg  BIWE
In Ludwigsburg zogen die Verantwortliche nach dem ersten Jahr nun ein Zwischenfazit.

Viele Unternehmen suchen verzweifelt nach Personal, andere müssen aus unterschiedlichsten Gründen Stellen abbauen: Aus dieser Problemlage heraus ist die Idee der Arbeitsmarktdrehscheibe entstanden. Im Rahmen des Formats, das in Ludwigsburg im September 2021 an den Start gegangen ist, werden Arbeitgeber auf einer virtuellen Plattform zusammengebracht, um sich über Stellenprofile auszutauschen und gegebenenfalls Mitarbeitern eine Weiterbeschäftigung in einem anderen Unternehmen zu ermöglichen.

Brücke in die neue Firma
Bei einem Gespräch in der Arbeitsagentur Ludwigsburg am gestrigen Dienstag zog Martin Scheel, Vorsitzender der Geschäftsführung der städtischen Agentur für Arbeit, ein positives Zwischenfazit. Er sei nach wie vor begeistert von der Idee. Die Arbeitsmarktdrehscheibe könne man gedanklich als Brücke ansehen, die von einem Unternehmen ins andere gebaut werde für Mitarbeiter, die in ihrer aktuellen Firma keine Zukunft mehr haben.

Davon gibt es einige, schließlich ist der Arbeitsmarkt vor dem Hintergrund der Digitalisierung und des Umbaus in der Automobilbranche strukturell Martin Scheel im Gespräch mit Karoline Barzen, Annette Straub und Sarah Pein im Umbruch, wie Scheel zu bedenken gibt. Um die angesprochenen Brücken für ihre Mitarbeiter zu errichten, haben sich deshalb in den letzten zwölf Monaten im Rahmen der Drehscheibe alle fünf Wochen Unternehmer aus dem Landkreis online zusammengesetzt. Bei den Gesprächen geht es aber nicht nur um Angestellte und ihre Qualifikationen, wie Annette Straub berichtet. Die Geschäftsführerin der Wanderer Wasser und Wärme GmbH aus Sachsenheim sieht neben der Hoffnung auf neue Bewerber auch den Austausch im Netzwerk als Erfolgsfaktor für ihr Unternehmen. „Es tut schon gut zu sehen, die Themen und die Probleme sind sehr ähnlich.“ Die Drehscheibe sei eine gute Möglichkeit, um festzustellen, was die Unternehmen im Kreis bewege.

Noch Luft nach oben
Eine Einschätzung, die Karoline Barzen gerne hören dürfte. Die Verbundmanagerin der Qualifizierungsverbünde ist über ihren Arbeitgeber, das Bildungswerk der baden-württembergischen Wirtschaft, verantwortlich für die Arbeitsmarktdrehscheibe Ludwigsburg. Der angesprochene Netzwerkeffekt ist neben der Vermeidung von Arbeitslosigkeit und der Weiterqualifizierung eines der Ziele der Drehscheibe.

Bei der konkreten Vermittlung von passenden Mitarbeitern ist hingegen noch Luft nach oben. Barzen sind für den Zeitraum von September 2021 bis April 2022 lediglich 13 konkrete Transfers bekannt. Allerdings bekomme man nicht von allen Unternehmen eine Rückmeldung und nicht jede Firma wisse, ob ein Bewerber über die Drehscheibe zu ihr gestoßen sei, erklärt Barzen. Die Dunkelziffer könnte also deutlich höher liegen. Ihre Kollegin Pein fügt an, die Chance auf passende Bewerber erhöhe sich für Unternehmen, die regelmäßig an den Arbeitsmarktdrehscheibe-
Treffen teilnähmen. Und natürlich erhöht sich die Chance auf eine erfolgreiche Vermittlung auch mit der Zahl der im Netzwerk aktiven Unternehmen. Rund 60 Firmen aus dem Landkreis Ludwigsburg nehmen bislang an den Treffen teil, schätzt Pein. Auch hier dürfte angesichts der Vielzahl an Unternehmen im Kreis noch Spielraum vorhanden sein.

Ein Angebot, nicht die Lösung
Martin Scheel erklärte, dass die Agentur für Arbeit im Rahmen ihrer Beratungstätigkeit die Unternehmen nach wie vor regelmäßig auf die Drehscheibe hinweise. Für ihn sei es wichtig, vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ein Angebot machen zu können. Man habe mit der Drehscheibe zwar nicht die Lösung, aber ein zusätzliches Puzzleteil für die Sicherung von Fachkräften.
 

Quelle: Ludwigsburger Kreiszeitung

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Arbeitsmarktdrehscheibe Ludwigsburg
Martin Scheel im Gespräch mit Karoline Barzen, Annette Straub und Sarah Pein (v. l.).